Die richtige 868-MHz-Antenne für MeshCore & Meshtastic
Gleiche Optik, anderes Innenleben: Warum die mitgelieferte Antenne oft 30 MHz neben dem Band liegt — und was eine sauber abgestimmte 868-MHz-Antenne wirklich bringt.
Das Problem: Eine Antenne für zwei Bänder trifft keins
Fast jedes Node-Bundle kommt mit einer schwarzen Gummiantenne. Wofür sie gebaut ist, sagt der Hersteller gar nicht erst: keine Frequenzangabe, keine Messung, nichts. Misst man sie nach, liegt die Resonanz meist bei etwa 900 MHz — die Antenne soll mit demselben Aufkleber in Europa (868 MHz) und in den USA (915 MHz) verkauft werden, also landet sie in der Mitte. Eine Antenne kann nicht auf beiden Bändern gleichzeitig resonieren.
In Europa funkst du damit gut 30 MHz neben der Resonanz. Die Antenne strahlt zwar noch, aber ein Teil der Sendeleistung wird am Fußpunkt reflektiert und landet als Wärme im Funkmodul statt in der Luft. Beim Empfang gilt dasselbe in die andere Richtung.
Was drin ist, weiß niemand. Wenn überhaupt eine dBi-Zahl genannt wird, ist sie eine Behauptung, keine Messung.
Was „daneben" konkret kostet
Die Anpassung einer Antenne beschreibt man mit dem VSWR (Stehwellenverhältnis). Je näher an 1,0, desto besser passt die Antenne zur Frequenz.
| VSWR | Reflektierte Leistung | Was das heißt |
|---|---|---|
| 1,0 | 0 % | Perfekt angepasst |
| 1,5 | 4 % | Sehr gut, praktisch verlustfrei |
| 2,0 | 11 % | Noch brauchbar |
| 3,0 | 25 % | Ein Viertel der Leistung geht zurück ins Modul |
| 5,0 | 44 % | Fast die Hälfte verpufft |
Eine Bundle-Antenne, die auf 900 MHz abgestimmt ist, liegt bei 868 MHz nicht selten bei einem VSWR von 2 bis 3. Das sind ein bis zwei dB Verlust — auf beiden Seiten, senden und empfangen. LoRa hat zwar ein großes Link-Budget, deshalb funktioniert es überhaupt so weit. Aber am Rand der Reichweite, wo die Pakete gerade so über der Empfindlichkeitsgrenze ankommen, entscheiden genau diese zwei bis vier dB darüber, ob der Repeater gehört wird oder nicht.
Und wichtig: Ein gutes VSWR allein macht noch keine gute Antenne. Ein Abschlusswiderstand hat ein perfektes VSWR von 1,0 und strahlt gar nichts ab. Das VSWR sagt nur, dass die Antenne die Leistung annimmt. Ob sie die Leistung auch abstrahlt, sagt der Wirkungsgrad, und wohin, das Richtdiagramm. Genau deshalb braucht es ein Messprotokoll mit allen drei Werten, nicht nur eine hübsche Kurve am Netzwerkanalysator.
Und noch ein Punkt, der oft übersehen wird: Ein SAW-Filter macht den Empfänger sauber, aber er macht die Antenne nicht besser. Filter und Antenne sind zwei getrennte Baustellen. Wer beides richtig macht, hat den besten Node im Umkreis.
Woran du eine gute 868-MHz-Antenne erkennst
- Eine Frequenzangabe überhaupt. Eine echte EU-Antenne nennt einen Bereich um 868 MHz, zum Beispiel 860 bis 876 MHz. Steht nichts dabei oder „868/915", ist es ein Kompromiss oder Glückssache.
- Messprotokoll mit Wirkungsgrad. Ein seriöser Hersteller zeigt VSWR über das Band, Wirkungsgrad und Richtdiagramm. Das VSWR allein reicht nicht, siehe oben. Fehlen die Zahlen, gibt es sie meistens nicht.
- Realistischer Gewinn. Ein Viertelwellenstrahler ohne Groundplane liefert um die 2 bis 3 dBi. Steht „8 dBi" auf einer 20-cm-Antenne, ist das Marketing.
- Bauform passend zum Einsatz. Für Companions und Nodes ist ein flexibler Whip mit Knickgelenk ideal. Für einen Dach-Repeater mit großer Reichweite ist eine längere Kollinear-Antenne mit mehr Gewinn oft die bessere Wahl.
Eine gemessene Alternative
Aus der Community heraus gibt es jetzt eine Antenne, die genau für das EU-Band gebaut ist: ein Viertelwellenstrahler eines europäischen Herstellers, abgestimmt auf 868/869 MHz, mit vollständigem Messprotokoll.

Die Messwerte
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Frequenzbereich | 860–876 MHz |
| VSWR bei 868 MHz | 1,04 (max. 1,5 über das ganze Band) |
| Wirkungsgrad bei 868 MHz | 91 % |
| Gewinn | +3 dBi nominal, gemessen 2,44 dBi bei 868 MHz |
| Richtcharakteristik | Rundstrahler, vertikale Polarisation |
| Bauform | λ/4-Monopol, flexibler Whip mit 90°-Knickgelenk |
| Anschluss | SMA male, 50 Ω |
| Maße / Gewicht | 210 × 13 mm, 22 g |



91 % Wirkungsgrad heißt: Neun von zehn Milliwatt, die das Modul liefert, gehen wirklich in die Luft. Das ist die Zahl, die zählt — nicht das VSWR allein und nicht irgendeine dBi-Angabe ohne Messung.
So setzt du sie richtig ein
- Senkrecht stellen. Node auf dem Tisch, am Fenster oder am Mast: Antenne aufrecht, dann strahlt sie flach rundum. MeshCore und Meshtastic nutzen vertikale Polarisation, alle anderen Nodes stehen auch senkrecht.
- Knickgelenk nutzen. Companion in der Jackentasche? Antenne abwinkeln, dann steht sie trotzdem einigermaßen senkrecht.
- Repeater im Außeneinsatz: Ein Stück Schrumpfschlauch über das Knickgelenk. Das fixiert das Gelenk und hält Feuchtigkeit aus der einzigen beweglichen Stelle fern.
- Mit SAW-Filter kombinieren. Antenne macht das Signal, Filter macht den Empfänger sauber. Zusammen ist das die günstigste Reichweiten-Verbesserung, die es gibt.
- RP-SMA beachten. Die Antenne hat SMA male. Viele Boards haben SMA female, das passt direkt. Hat dein Board RP-SMA, brauchst du einen Adapter.
- Nie ohne Antenne senden. Gilt für jede Antenne, aber man kann es nicht oft genug sagen.
Für wen ist sie gedacht?
| Einsatz | Passt? |
|---|---|
| Companion (T-Deck, T-Beam, Heltec) | Ja — Knickgelenk, leicht, robust |
| Node auf der Fensterbank | Ja |
| Solar-Repeater in der Fläche | Ja — mit Schrumpfschlauch am Gelenk |
| Dach-Repeater mit maximaler Reichweite | Geht, aber eine Kollinear-Antenne mit mehr Gewinn holt dort mehr raus |
Wo es sie gibt
Die Antenne gibt es bei Elektronik Reich aus Seevetal — dem Shop, der auch die SAW-Filter für die Community baut. Versand aus Deutschland, kein Import, kein Zoll, jede Charge mit Messprotokoll.
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Fazit
Die Antenne ist das Bauteil, an dem am häufigsten gespart wird — und das am meisten ausmacht. Eine Bundle-Antenne auf 900 MHz kostet dich ein bis zwei dB auf beiden Seiten, und das ohne dass du es merkst. Eine sauber auf 868 MHz abgestimmte Antenne mit 91 % Wirkungsgrad und sauberem Richtdiagramm holt diese Reserve zurück. Für unter 20 Euro ist das, zusammen mit dem SAW-Filter, die beste Investition in deinen Node.