868 MHz Antenne selber bauen: Groundplane, Dipol, Sleeve-Dipol mit Maßen
Eine gute Antenne für 869 MHz kostet nicht 50 Euro. Ein Stück Messingrohr, ein Stecker und zehn Minuten reichen für ein SWR, das viele Kaufantennen nicht erreichen. Hier stehen die Maße, die in der Community funktioniert haben.
Warum Selbstbau bei 868 MHz funktioniert
Bei 869 MHz ist eine Wellenlänge nur 34 bis 35 cm lang. Eine Viertelwelle passt in die Hand, das Material kostet fast nichts, und die Antenne ist in wenigen Minuten gebaut. Die Community hat mit Eigenbauten Werte erreicht, die viele Kaufantennen nicht liefern: eine Groundplane aus Messingrohr mit SWR 1:1,2 für einen Euro Material, ein Dipol, der den RSSI von -55 auf -38 dBm hob, und ein Dipol mit 200 km bei freier Sicht.
Zur Einordnung vorab: Der Standort macht rund 60 % der Reichweite aus, die Antenne 20 %, die Sendeleistung 20 %. Eine selbstgebaute Antenne ersetzt keine Höhe. Aber sie ersetzt die Beipackantenne, die oft bei einem SWR von 1:1,8 bis 1:2,7 liegt. Warum das ein Problem ist, steht im Artikel zur 868-MHz-Antenne.
Die Zielfrequenz ist nicht 868, sondern 869,618 MHz. Das ist die Mitte des EU/UK-Narrow-Presets, auf dem MeshCore in Deutschland seit Oktober 2025 läuft. Alle Messungen und Abstimmungen beziehen sich auf diese Frequenz.
Viertelwellen-Groundplane
Die Groundplane ist die einfachste Bauform mit sauberer Anpassung. Ein senkrechter Strahler von einer Viertelwellenlänge, darunter Radials als Gegengewicht. Der Fußpunkt liegt nahe bei 50 Ohm, also passt sie ohne Anpassnetzwerk direkt ans Board. In der Community gilt sie als sehr robust und als Antenne, die an etwa 80 % der Standorte funktioniert.
Material
| Teil | Community-Erfahrung |
|---|---|
| Strahler und Radials | Messingrohr 2 mm |
| Anschluss | SMA-, RP-SMA- oder N-Buchse passend zum Board, Stiftlage vorher prüfen |
| Kosten | ca. 1 Euro |
| Ergebnis | SWR 1:1,2 bei 869,618 MHz |
Maße
Die Wellenlänge liegt bei 34 bis 35 cm. Rechnerisch ist ein Viertel davon rund 8,5 cm. Der reale Strahler fällt wegen des Verkürzungsfaktors etwas kürzer aus, und die Restlänge holst du beim Abgleich heraus: lieber ein paar Millimeter zu lang bauen und dann kürzen, verlängern geht nicht.
Startlänge für den Strahler: 82 mm (Viertelwelle bei 869,6 MHz mit Verkürzungsfaktor 0,95), danach millimeterweise kürzen, bis das SWR minimal ist
vier Radials von je 86 bis 90 mm, um etwa 45 Grad nach unten abgewinkelt, das bringt die Impedanz nahe 50 Ohm
Der Strahler kommt an den Mittelstift der Buchse, die Radials an die Masse. Lötverbindungen kurz halten, jede zusätzliche Drahtschleife am Fußpunkt verschiebt die Resonanz.
Erfahrungswerte
Eine Groundplane ist ein Viertelwellenstrahler und liefert um die 2 bis 3 dBi. Wer im Netz Bauanleitungen mit 5 bis 8 dBi für dieselbe Bauform findet, sollte die Zahl ignorieren. Mehr Gewinn ist bei dieser Bauform physikalisch nicht drin, und das ist auch gut so: Antennen mit 6 dBi und mehr strahlen flach wie ein Pfannkuchen und versorgen den Nahbereich schlechter.
Dipol
Der Dipol ist noch einfacher als die Groundplane: zwei Schenkel, jeder eine Viertelwelle lang, in einer Linie. Kein Gegengewicht nötig. Der Gewinn liegt bei rund 2 dBi, also auf dem Niveau einer ALFA 868.
Ein Community-Mitglied hat mit einem selbstgebauten Dipol den RSSI eines Links von -55 auf -38 dBm verbessert, gegenüber der vorher genutzten Antenne. Ein anderer Dipol schaffte 200 km bei freier Sicht. In den VNA-Messungen der Gruppe schnitten selbstgebaute Dipole regelmäßig besser ab als billige Eightwood-Antennen, die oft ab Werk auf 915 MHz stehen.
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Schenkellänge | je ein Viertel von 34 bis 35 cm, rechnerisch rund 8,5 cm, beim Abgleich kürzen |
| Gesamtlänge | etwa eine halbe Wellenlänge, rund 17 cm |
| Gewinn | ca. 2 dBi |
| Speisung | ein Schenkel an den Innenleiter, einer an den Schirm |
Startlänge je Schenkel 80 mm, nach dem Abgleich meist 76 bis 79 mm; ein paar Windungen Kabel als Drossel direkt am Speisepunkt schaden nicht
Das Koaxkabel möglichst senkrecht vom Speisepunkt wegführen, nicht parallel zu einem Schenkel. Sonst wird der Kabelmantel Teil der Antenne und die Messung springt, sobald du das Kabel anfasst.
Sleeve-Dipol
Der Sleeve-Dipol löst genau dieses Kabelproblem. Der obere Schenkel ist der freigelegte Innenleiter des Koaxkabels, der untere Schenkel ist eine Metallhülse, die über das Kabel gestülpt und am Schirm angelötet wird. Die Hülse wirkt als zweiter Dipolschenkel und gleichzeitig als Mantelwellensperre. Ergebnis: eine Antenne, die direkt am Kabelende sitzt, ohne Radials, und die sich gut in ein Kunststoffrohr stecken lässt.
Aus der Community gibt es zwei erprobte Hülsenlängen, abhängig vom Rohrdurchmesser:
| Hülse (Rohrdurchmesser) | Hülsenlänge |
|---|---|
| 15 mm | 79 mm |
| 7 mm | 66 mm |
Je dicker die Hülse, desto länger fällt sie aus. Nimm die Kombination, die du bekommst, und miss nach.
freigelegter Innenleiter oberhalb der Hülse in gleicher Länge wie die Hülse, Startwert 79 mm, Kabel RG58 oder H155
Beim Löten der Hülse an den Schirm darauf achten, dass der Innenleiter nicht mit der Hülse in Kontakt kommt. Ein Stück Schrumpfschlauch über dem Innenleiter verhindert den Kurzschluss.
Messen ohne teures Gerät
Mit NanoVNA
Ein NanoVNA-H kostet 50 bis 100 Euro und reicht für 868 MHz völlig aus. Vorgehen:
- Vor jeder Messung mit dem OSL-Kit kalibrieren (Open, Short, Load), und zwar am Ende des Kabels, das du wirklich benutzt.
- Marker auf 869,618 MHz setzen, nicht auf 868.
- Antenne freistehend messen, am Mast oder auf einem Kunststoffstab. Eine Messung auf dem Tisch liegt über 3 dB daneben.
- Abstand halten: Das Fernfeld beginnt ab etwa 1,38 m. Du selbst, der Tisch und die Wand verstimmen die Antenne.
- Liegt die Resonanz zu tief, den Strahler kürzen. Liegt sie zu hoch, ist die Antenne zu kurz, dann neu bauen.
Was eine gute Antenne zeigt:
| Messwert | Ziel |
|---|---|
| SWR bei 869,618 MHz | 1:1,0 bis 1:1,2 |
| S11 | unter -20 dB |
| Impedanz | 50 Ohm ± 5 Ohm |
Zur Einordnung: Die ALFA 868 misst S11 -24 dB, also SWR 1,15. Eine Groundplane mit 1:1,2 spielt in derselben Liga.
Ohne VNA: RSSI-Vergleich
Wer keinen VNA hat, vergleicht Antennen am Board. Dafür brauchst du einen festen Gegenpart, etwa einen Repeater in ein paar Kilometern Entfernung, und wechselst nur die Antenne. Alles andere bleibt gleich: Standort, Höhe, Ausrichtung, Kabel.
- RSSI vergleichen, nicht SNR. Der SNR schwankt mit dem Rauschen, der RSSI zeigt direkt, wie viel Signal ankommt.
- Mehrere Pakete abwarten und den Mittelwert nehmen, ein einzelner Wert sagt nichts.
- Die Messung sagt nur, welche Antenne besser ist. Ob das SWR gut ist, verrät sie nicht. Eine Antenne mit schlechtem SWR kann trotzdem mehr Signal liefern als eine Beipackantenne, die 30 MHz neben dem Band liegt.
Dass so ein Vergleich Überraschungen bringt, zeigte ein Test am Geiseltalsee: Eine Papier-Klebeantenne lag um 9,5 dB vor einer 8-dBi-Vinnant. Nicht weil das Papier besser war, sondern weil die Antenne mit hohem Gewinn flach abstrahlt und der Gegenpart nicht in ihrer Hauptrichtung lag.
Typische Fehler
- Zu kurz gebaut. Verlängern geht nicht. Immer mit Reserve starten und beim Abgleich kürzen.
- Metall in der Nähe. Mast, Gehäuseschrauben, Solarpanel oder Regenrinne verschieben die Resonanz. Mindestens 30 cm Freiraum, besser über die Mastspitze hinaus. Hinter bedampften Fenstern oder unter Alu-Dämmung strahlt nichts.
- Im Kunststoffgehäuse gemessen, draußen betrieben. Das Gehäuse verstimmt die Antenne. Im Endzustand messen, also mit Rohr und Halterung.
- Auf 868 statt 869,618 MHz abgestimmt. Der Marker gehört auf die Betriebsfrequenz.
- Stecker verwechselt. Seeed und Wio haben RP-SMA, andere Boards SMA. Stiftlage vor dem Löten prüfen.
- Langes Kabel. RG58 kostet rund 1 dB pro Meter bei 869 MHz, RG178 etwa 1,5 dB. Jeder SMA-Übergang kostet weitere 0,3 dB. Board direkt an die Antenne, nur das Stromkabel lang.
- Alu und Stahl kombiniert. Am Mast korrodiert die Verbindung, die Masseverbindung wird schlechter.
- Mehrere Antennen an einem Board. Ohne Splitter physikalisch falsch, mit Splitter über 3 dB Verlust. Eine gute Antenne reicht.
- Zu viel Gewinn gewollt. Eine 8-fach gestockte Collinear aus Koaxstücken bringt rund 7 dBi, aber der Abgleich ist schwierig, weil Rohr und Rahmen den Wert verschieben. Für den Einstieg die falsche Baustelle.
- Nicht abgedichtet. Wasser im Kabel oder an der Lötstelle ruiniert jede Anpassung. Sikaflex 522 oder Pattex Repair Extreme am Gewinde, selbstverschweißendes Band statt Isoband.
Ein Punkt, der oft falsch verstanden wird: Die Antenne muss nicht nach oben zeigen. Kopfüber montiert funktioniert sie genauso, Hauptsache trocken und mit freier Sicht.
Wann Kaufen sinnvoller ist
Der Eigenbau lohnt sich für Companions, Testaufbauten, Fenster-Nodes und alle Standorte, an die du regelmäßig herankommst. Für einen exponierten Dach-Repeater sieht die Rechnung anders aus:
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Companion, Test, Balkon | Groundplane oder Dipol selbst bauen |
| Repeater, gut erreichbar | Eigenbau im Schutzrohr, oder ALFA 868 mit N-Stecker für rund 12 Euro |
| Repeater auf Dach oder Mast, schwer erreichbar | Kerlink 3 dBi mit N-Buchse, 35 bis 50 Euro, mechanisch robust |
| Mehr Gewinn für Langstrecke | Ziisor 40 cm oder Mikrotik 6,5 dBi, beide mit SWR unter 1,25 gemessen |
| Nahbereich in der Stadt | 2 bis 3 dBi, also genau das, was der Eigenbau liefert |
Der entscheidende Faktor ist nicht das SWR, sondern die Mechanik. Ein Eigenbau aus 2 mm Messingrohr hält, aber Windlast, Vereisung und drei Jahre Wetter am Mast sind ein anderes Thema. Wer nach einem Sturm nicht auf das Dach steigen will, nimmt N-Stecker und ein Fertigprodukt mit gemessenem Datenblatt. Für Repeater gilt außerdem: erst mit einem Companion auf der Höhe testen, dann bauen. Wie das geht, steht unter Repeater aufbauen.
Was der Eigenbau nicht ersetzt: Am Mobilfunkmast oder neben einem Balkonkraftwerk hilft keine noch so gute Antenne gegen den zugelaufenen Empfänger. Da gehört ein SAW-Filter zwischen Board und Antenne. Welche Boards welchen Stecker haben, steht in der Geräteübersicht.
Fragen?
Maße, Messkurven und Bilder von Eigenbauten sammeln wir in der Telegram-Gruppe: t.me/meshcorede. Wer eine Groundplane baut und mit dem VNA misst, postet das Ergebnis gern dort, damit die Platzhalter in diesem Artikel verschwinden.