MeshCore Kanäle in Deutschland: Public, regionale Kanäle, Test-Kanäle und Etikette
Public ist nicht der einzige Kanal, und ein Kanal ist nicht dasselbe wie ein Scope. Was es gibt, wie du beitrittst, und warum #ping im Public-Kanal das Netz mehr kostet als jede schlechte Antenne.
Kanal ist nicht gleich Scope
Zwei Dinge werden ständig verwechselt, deshalb zuerst die Trennung.
Ein Kanal legt fest, wer mitlesen kann. Jeder Kanal hat einen Key. Bei Hashtag-Kanälen wie #hansemesh wird der Key aus dem Namen berechnet, bei privaten Kanälen wird er verteilt. Wer den Key hat, liest mit.
Ein Scope (auf dem Repeater „Region" genannt) legt fest, wie weit Repeater eine Nachricht weitertragen. Jede Kanalnachricht ist ein Flood. Ohne Scope läuft sie durch jeden Repeater, der sie hört, bis das Hop-Limit greift. Mit Scope leiten nur Repeater weiter, die diese Region kennen. Der Scope wirkt nur beim Senden. Empfangen wird alles, was ankommt.
Kanal und Scope sind also unabhängig: Du kannst denselben Kanal mit unterschiedlichen Scopes bedienen, und derselbe Scope kann für mehrere Kanäle gelten. Pro Kanal ist in der App genau ein Scope einstellbar.
Welche Kanäle es gibt
Die folgenden Kanalnamen sind aus der Community belegt. Für alles andere gilt: nachfragen, nicht raten.
| Kanal | Art | Wofür | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| Public (Kanal 0) | offen | Grüßen, lokale Kommunikation, Notfall | Nach dem Flashen sofort da, kein Key nötig. Konsens für Notfälle ist Public, weil größte Reichweite. |
#hansemesh | Hashtag | Hamburger Community | Belegt seit Herbst 2025. |
#hh, #schleswig-holstein | Hashtag | Bundesland-Kanäle | In Hamburg so benannt worden, im Alltag läuft der Austausch über #hansemesh und #hamburg. |
#meshcore, #germany | Hashtag | überregional | In Listen öffentlicher Hashtag-Kanäle genannt. Große Reichweite, entsprechend hohe Netzlast. |
#test, #ping, #bots | Hashtag | Tests und Bot-Antworten | Belegt in Hamburg. Nur mit lokalem Scope nutzen, siehe unten. |
#sos | Hashtag | Notfunk | Als Standard-Notrufkanal vorgeschlagen. Verlass dich nicht darauf, dass ihn jemand beobachtet, sprich das in deiner lokalen Runde ab. |
#hamburg, #berlin | Hashtag | Stadt-Kanäle | In Hamburg laufen #hansemesh und #hamburg parallel, beide werden gepflegt. |
| private Kanäle | eigener Key | geschlossene Gruppen | Fluten genauso wie Public, nur der Inhalt ist verschlüsselt. |
Room Server sind kein Kanal, sondern ein persistenter Chat auf einem Gerät. Sie speichern nur wenige Nachrichten (Firmware-Limit 32), das Standardpasswort ist oft „hello", und der Login läuft über einen Pfad statt Flood. Für eine lokale Gruppe können sie sinnvoll sein, ein Repeater sollte es nicht zugleich sein.
Einem Kanal beitreten
Hashtag-Kanal: Name genügt
Du legst in der App einen Kanal mit dem Namen an, zum Beispiel #hansemesh. Der Key wird aus dem Namen berechnet. Jeder, der denselben Namen eingibt, landet im selben Kanal. Kein Key-Austausch, keine Einladung.
Das ist auch die Schwachstelle: Der Name muss exakt stimmen.
Groß- und Kleinschreibung
Der Hash ist case-sensitive. #MeshcoreNetz und #meshcorenetz sind zwei verschiedene Kanäle, die sich gegenseitig nicht hören. Genau das ist passiert: iOS lässt Großbuchstaben zu, Android nicht, und schon existierte derselbe Kanal doppelt. Die Regel ist deshalb einfach: alles klein schreiben, mit # davor, keine Umlaute, keine Leerzeichen. Wer einen Kanal neu einführt, schreibt den Namen genau so in die Telegram-Gruppe.
Dasselbe gilt für Scopes: Regionen sind ebenfalls case-sensitive Hashes, de-hh und DE-HH sind nicht dasselbe.
Privater Kanal: Key per QR-Code
Private Kanäle bekommst du per QR-Code, den die App mit der Kamera einliest. Bilder aus der Galerie liest die App nicht. Der Key ist das Geheimnis, nicht der Name. Ob ein privater Kanal nötig ist, überleg dir zweimal: Er belastet das Netz wie Public, nur dass niemand außer der Gruppe etwas davon hat. Für Zweiergespräche sind Direktnachrichten die bessere Wahl, sie laufen über gelernte Pfade statt Flood.
Wie viele Kanäle ein Gerät verträgt
Das hängt vom Companion ab. Ein T-Beam mit 110 kB Speicher schafft 8 Kanäle, ein T114 40. Welche Geräte sich dafür eignen, steht in der Geräteübersicht.
Der passende Scope je Kanal
Den Scope setzt du pro Kanal: drei Punkte im Kanal, dann „Set Region Scope". Seit App 1.39 gibt es dort „Discover Regions", das die Regionen des nächsten Repeaters abfragt. Das funktioniert nur zum Repeater in 0 Hops, der Repeater muss in deiner Kontaktliste sein, und es gibt ein Rate-Limit von zwei bis drei Minuten. Bei hoher Netzlast antwortet der Repeater manchmal nicht, dann später noch einmal probieren.
Grundregel: die kleinste Region, die reicht. Im Hamburger Raum sind hansemesh, de-hh, de-sh und de-ni etabliert. de ist in Hamburg auf den Repeatern gesperrt, weil es nur als Auffangbecken gedacht war und trotzdem für „Guten Morgen" benutzt wurde. de-nord gilt als zu groß. Nachdem de gesperrt war, wurde de-mitte als Ersatz missbraucht, das ist keine Lösung.
| Kanal | Scope-Empfehlung |
|---|---|
| Public | lokal, in Hamburg de-hh, de-nord oder hansemesh |
#hansemesh, #hamburg | hansemesh oder de-hh |
#test, #ping, #bots | zwingend lokal, nie ohne Scope |
#meshcore, #germany | Ohne Scope werden Nachrichten vielerorts nach 3 bis 5 Hops verworfen, diese Kanäle erreichen also nur noch die Umgebung. |
| private Kanäle | wie Public, lokal |
Ohne Scope passiert Folgendes: Repeater mit denyf * verwerfen die Nachricht, Repeater ab Firmware 1.16 begrenzen ungescopte Floods mit flood.max.unscoped auf typisch 3 bis 5 Hops. Deine Nachricht kommt also im Nahbereich an, aber nicht weiter. Alte Repeater unter 1.10 kennen keine Regionen und leiten alles weiter, deshalb sind sie ein Netzproblem, kein Vorteil.
Für Direktnachrichten brauchst du zusätzlich den Default Scope im Companion (ab Firmware 1.15). Er gilt für die Pfadsuche, und er muss bei Sender und Empfänger gesetzt sein. Wie die Repeater-Seite konfiguriert wird, steht unter Repeater aufbauen.
Etikette
Ein Repeater schafft bei 10 Prozent Duty Cycle etwa 600 bis 700 Pakete pro Stunde, und zwar für alle Nutzer zusammen. Jeder Repeater in Hörweite wiederholt jede Flood-Nachricht einmal. Eine Nachricht mit zehn Repeatern in Reichweite belegt die Luft elfmal. Daraus folgen die Regeln.
Kein Ping-Spam
Im Norden sind 50 bis 80 Prozent des Traffics #ping, #pong und #test. In Berlin wurden 500 bis 4.000 Test-Pings pro Tag gezählt. Am 16.11.2025 haben sich Ping-Bots zwischen Bremen und Hamburg gegenseitig hochgeschaukelt, weil Bots mit „ping" im Namen einander auslösten. Ein Ping sagt dir außerdem wenig: Ob dich jemand hört, siehst du zuverlässiger, wenn du deine eigene Nachricht lang drückst und „Show repeats" oder „Show path" wählst.
Test-Kanal statt Public
Tests gehören in #test mit lokalem Scope, nicht in Public. Wenn niemand antwortet, ist selten der Kanal schuld. Empfang ist fast immer besser als Senden, und die Ursache sitzt meist an der Antenne oder am Standort. Ein SAW-Filter hilft am gestörten Standort, ersetzt aber keinen Test vor Ort: Fahr zum Repeater, statt vom Sofa aus zu pingen.
Keine Bots im Flood
Bots, Home-Assistant-Skripte und Gastzugriffe erzeugen Last, ohne dass ein Mensch etwas davon hat. Wenn du einen Bot betreibst: nur mit Scope, Hop-Limit unter 5, Antwort ohne „ping" im Text. Telemetrie-Abfragen laufen über den gelernten Pfad statt Flood („Disable Path Reset"), und Abfrageintervalle unter 60 Minuten sind zu kurz. Gastzugänge, die minütlich abgefragt werden, bekommen ein Gast-Passwort. Die ACETyr-Firmware 1.17.1fdw filtert Kanäle auf dem Repeater, das ist die Notbremse der Betreiber, nicht der Normalzustand.
Kurz schreiben, Public ist öffentlich
Eine Nachricht hat 160 Byte, mit Umlauten bleiben etwa 113 bis 121 Zeichen. Kürzere Nachrichten kommen zuverlässiger an. Und Public ist wirklich öffentlich: Observer zeichnen Public-Traffic für Analyzer auf, bei Inversionswetter liest Berlin mit, was Hamburg schreibt. Was nicht jeder lesen soll, gehört in eine Direktnachricht. Hetze in Public hat im Norden bereits dazu geführt, dass Betreiber ihre Repeater abzubauen drohten.
Lokale Kanäle finden
- KiekR-App (Android, iOS per Testflight): zeigt lokale Kanäle und die Regionen der Repeater. Auf map.kiekr.app liegen die Regionen als Overlay über der Repeater-Karte.
- Discover Regions im Kanalmenü fragt den nächsten Repeater, welche Regionen er kennt.
- Wiki: meshcore-de.fyi unter „Regions" mit der Liste real in Repeatern hinterlegter Regionen und einer Hashtag-Kanal-Liste mit Scopes. Die Regionen-Karte liegt auf umap.openstreetmap.de. Warum das alles nötig ist, erklärt kiekr.app/why-regions.
- Grüßen und zuhören: In einer fremden Stadt kurz in Public mit lokalem Scope melden und auf die Repeats achten. Wer antwortet, nennt dir den lokalen Kanal.
- Stammtisch: Hamburg trifft sich am 2. Montag im Monat um 19 Uhr im Attraktor, Eschelsweg 4. Dort werden Kanäle und Regionen abgestimmt, bevor sie ins Netz gehen.
Fragen?
Kanal unklar, Scope unklar, oder du willst einen neuen Kanal einführen? Frag vorher in der Telegram-Gruppe: https://t.me/meshcorede.